Welpenspielgruppe, ja oder nein?

 

Sobald ein Welpe einzieht möchte jede Hundehalter*in dem jungen Hund den besten Start ins gemeinsame Leben geben.

Deshalb besuchen Hundehalter*innen Welpenspielgruppen, Welpensozialisierungsgruppen, Welpenprägungstage, Welpengruppen, Welpenkurse, Welpenschule, Welpenerziehung, lustige Welpenspielstunden, Welpenkindergarten... - das Angebot ist groß - in Hundeschulen oder Hundesportvereinen.

 

Der Besuch dieser verspricht später einen gut sozialisierten Hund - aber garantiert uns dieser Besuch wirklich einen vollkommenen unproblematischen Hund?

 

Sehen wir uns an, was in sogenannten Welpenspielgruppen passiert und erfahren Sie im unteren Teil wie sinnvoll die Umsetzung ist und wie Sie durch eine sorgfältige und gut ausgebildete Hundetrainer*in unterstützt und angeleitet werden.

 

 

Spielgruppe für Welpen

In reinen Welpenspielgruppen ist meistens nur Kontakt und Spiel der Welpen untereinander.

Es treffen mehrere Welpen aufeinander. Oft 8-10 oder mehr Welpen aufeinander toben umher.

Meist gleich am Anfang werden sie, zum Teil noch angeleint, von den bereits losgelassenen Fellknäulen überrannt. Schnell von der Leine machen und mit der gleichen Energie dürfen die Welpen auf die anderen los.

Ein Eingreifen der Hundehalter*in findet nicht statt, weil ja alle so toll spielen und das schaut doch so süß aus.

Man darf dem Welpen bloß keine Sicherheitszone geben, der Welpe soll also ignoriert und weggeschickt werden, denn die machen das unter sich aus.

Nach einer Dreiviertelstunde / Stunde Rennen und Toben werden die völlig ausgelaugten Welpis eingesammelt oder eingefangen. Das Anleinen entpuppt sich als lästig und findet ohne vertrauensvolle Kommunikation statt. An der Leine gehen ist schon gleich gar nicht, da der junge Hund noch vollkommen neben der Spur ist. Sie verstehen es nicht, dass jetzt alles vorbei ist.

Jetzt heißt es vielleicht auch noch den frühzeitigen Ehrgeiz der Hundehalter*in zu wecken und den übermüden Welpen über und durch Geräte zu jagen oder gar etwas Fußlaufen und der Gleichen zu üben.

Der Welpenhalter*in wird suggeriert, dass es eine gute Sozialisierung ist, wenn man seinen Welpen in den ersten Wochen alles zeigen und beibringen muss.

Zuhause drehen sie nochmals komplett auf, bis sie ermüdet in sich zusammensacken.

 

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Die Gruppengröße sollte 4-6 Welpen nicht überschreiten. Überschaubarkeit schafft Sicherheit!
Eine individuell angelegte Welpengruppe mit einem angepassten Training bringt positive Erfahrungen für Mensch und Hund.

 

Zu Beginn verteilen sich die einzelnen Teams mit ausreichend Abstand zueinander, begeben ihren Welpen auf die Decke und üben ein Ruhesignal ein. Währenddessen wird ein Großteil der Theorie (Fragen beantworten, Themen, Erklärungen...) stattfinden. Nachdem die Welpen sich beruhigt haben und jeder Teilnehmer angekommen ist, dürfen die Welpen über ein Stand-By-Signal in den Freilauf gebracht werden.


Hundeparty statt ruhige Kommunikation.

Durch langes Rennen und Toben pushen sich Hunde immer wieder hoch. Sie lernen in Gegenwart anderer Hunde kaum noch zur Ruhe zu kommen. Sind Hunde dann noch angeleint und dürfen nicht zu den anderen hin, entsteht Frust und dies kann wiederum zu einer Leinenaggression führen.

Zu lange Spielphasen lassen Hunde überdrehen. Falsche Interpretationen sind, dass der kleine Welpe gar nicht müde zu kriegen ist. Es war zu viel und zu lange Erregung, und er kann sich nicht selber herunterregeln! Daraus entstehen hippelige, zappelige, gestresste Hunde und zeigen Übersprungshandlungen (ausgelöst durch Konfliktsituationen, die sinnlos erscheinen, aber beruhigend für den Hund sind) wie Aufreiten, Bellen, wildes Umherrennen...

Ruhe-, Übungs- und Spielphasen sollten sich abwechseln. Die Welpen müssen die Gelegenheit bekommen zur Ruhe zu kommen, kleine altersgerechte Übungseinheiten zu absolvieren, kurze/angemessene Kontakte mit Artgenossen haben, unterschiedliche Dinge und Situationen aus dem alltäglichen Leben kennenlernen und alles ohne Überforderung. Aktionsphasen sind zur Bindungsförderung zwischen Mensch und Hund gedacht, ebenso stärken diese das Selbstbewusstsein. In den Ruhepausen gibt es weitere Informationen rund um den Welpen.

Koordinierte Bewegunsabläufe, Impulskontrolle und Frustrationstoleranz müssen Hunde erst lernen und dies baut sich durch entsprechendes Training im Laufe der Zeit auf. Dafür ist das Einhalten von Aktionsphasen und Pausen bedeutungsvoll, damit der Hund lernt mit Situationen und sich umzugehen.

 

 

In Welpenspielgruppen wird unnatürliches Verhalten antrainiert.

Welpen, die schüchtern, zurückhaltend sind werden unsicher oder sogar verängstigt und können durchaus versuchen sich über wegschnappen zu wehren. Für die Draufgänger kommt das gelegen, denn diese können andere hetzen, zwicken, bedrängen und mobben.

Es gibt mutige und unsichere Hunde, agile und behäbige, Mitstreiter und Sich-Zurücknehmer, Macher und Gucker. Es gibt Hunde, die gerne viel spielen und welche, die nicht immer oder mit jedem spielen wollen.

Die Hundetrainer*in greift ein, wenn das Spiel zu grob wird und zu kippen droht. Die Halter*in wird unterrichtet und es wird vorab erklärt die Welpen zu beobachten, damit diese Verhalten erkennen lernen. Hundebegegnungen sollten freundlich und ausgeglichen sein. Ein Welpe sollte lernen, wie er sich einem anderen Hund nähert. Spiel ist nicht für jeden gleich Spiel, da nicht jeder Spiel gleich empfindet. Es findet zwar eine Kommunikation der Welpen untereinander statt, da Gefühle übermittelt werden, Versuche stattfinden sich zu definieren, abzugrenzen, etwas zu erproben und zu orientieren.
Die Anwesenheit eines erfahrenen, älteren Hundes kann nützlich sein, der regulierend eingreift. Zudem sehen Welpenhalter, wie es aus hündischer Sicht sehr schnell und effektiv ausschaut und was es bewirkt. Dies ist nicht als Nachahmung gedacht, sondern erklärt hündische Verhaltensweisen von einem gut sozialisierten Althund und einem Welpen.
Jedoch ist das kommunikative Einbringen der Hundehalter*in ins Sozialspiel ihres Welpens von enormer Bedeutung, da es Vertrauen, Verständigung und Entspannung schafft.
 

Eine kompetente Hundetrainer*in erkennt Stresszeichen im Ansatz und kann die Gruppe ruhig führen. Sie arbeitet weder nach altertümlichen Methoden, noch nach einschüchternden oder Methoden die Hunde ängstigen. Wenn ein Welpe Schutz sucht, sollte er diesen bekommen. Entweder geht er danach nochmals in die Runde oder schaut mit genügend Abstand einfach zu.

Ein Welpe sollte lernen, dass sein Mensch immer für ihn da ist und er sich auf ihn verlassen kann.
Und Hunde regeln das zwar schon, aber auf Kosten des Schwächeren, mit nicht vorhersehbaren Spätfolgen. Sie müssen nicht alles unter sich klären, denn ihre Menschen können auf viele Situationen positiv Einfluss nehmen und somit Probleme vermeiden.

 

Ein Hund lernt sein Leben lang. In den ersten 17 Lebenswochen schneller. Deswegen kann man sich mit der Sozialisierung Zeit lassen. Dem jungen Hund alles in Ruhe, nach und nach seine Umwelt in der er lebt zeigen. Auf gute und souveräne Artgenossenkontakte achten und ihn achtsam in Situationen führen.

 

Hunde benötigen sehr viel Ruhe, als Menschen es annehmen. Ein Hund ruht ca. 20 Stunden am Tag. Welpen meist noch mehr. Das ist schlafen, dösen, entspannen, herumliegen.

Dauerhafte Unruhe, Hektik, Lärm oder Durcheinander, wie ständige Bespaßung, zu lange Spaziergänge, zu viel Beschäftigungen, zu lange Trainings- und Spieleinheiten lassen Hunde unruhig, aktiver, überdrehter, nervöser, hippelig und schwer zu ertragen werden. Soweit sollte es beim jungen Hund gar nicht erst kommen. Wenn ein Hund total überdreht, dann sollte der nächste Spaziergang kürzer und ereignisloser vonstatten gehen, das Toben oder Training wird verkürzt oder findet nicht zusätzlich, sondern anstelle statt. Ruhe wird durch einen vernünftigen Tagesablauf hineingebracht.

 

 

Richtig ist, dass Welpen soziale Kontakte zu anderen Hunden für ihre Sozialisierung und Entwicklung brauchen

- aber geregelt und gezielt!