Leckerlis als Belohnung?

 

Leckerlis als Belohnung und im Training mit Hunden ist ein starkes Reizthema. Es gibt viele HundehalterInnen und TrainerInnen die dagegen sind und oft aus Gründen, die diejenigen, die mit Leckerlis belohnen und ich gar nicht verstehen.

Leckerlibelohnung ist nicht so falsch wie Zwang und Gewalteinwirkungen, die zu Meideverhalten und Hemmungen oder gar Angst führen und wirken sich auf die Psyche des Hundes aus. Was Leckerlis eben nicht tun. Allerdings kann man Fehler machen, die genau das Gegenteil von dem bewirken, was wir wollen oder gar den Hund im Verhalten behindern. Wenn man auf diese Fehler achtet und sie vermeidet kann ein Training nutzvoll sein, mehr Spaß machen und man hat mehr Erfolge.

 

 

Fehler in der Leckerlibelohnung

 

Leckerli in der Hand

+ Sicher gibt es in Anfangsstadien, wie zB beim Fußlaufen, im Rückruf, beim Platz, die Möglichkeit mit Leckerlis zu locken. Das ist erstmal vollkommen in Ordnung, nur solltest man wissen wie man Leckerlis effektiv einsetzen kann und einen Marker lernt anzuwenden, damit man die Leckerligabe ausschleichen kann.

 

- Es kann auch sein, dass versehentlich oder unbewusst das Leckerli zum Locken genutz wird, durch falsche Handhabung indem man zum Beispiel das Leckerli immer in der Hand hält, wenn der Hund gerufen wird oder es ihm zeigt, wenn er etwas tun soll oder mit der Tüte raschelt oder man schon aus Gewohnheit immer in die Leckerlitasche greift bevor man etwas vom Hund will.

Somit bringt man dem Hund bei nur noch etwas für ein Leckerli zu tun. Das nennt man Bestechung.

 

+ Was kann man tun? Sich selbst beobachten und dem Hund das gewünschte Verhalten beibringen um dann für das richtige Verhalten zu belohnen. Das nennt man Belohnung.

 

 

Futterautomat spielen

- Das Leckerli bekommt der Hund auf jeden Fall, auch wenn er erst beim dritten oder fünften Rufen sich abwendet und langsam zu seinem Menschen spaziert oder er sich nach mehrmaliger Anweisung endlich ins Sitz bequemt oder das Platz hinauszögert oder den anderen Hund anbellt oder mehrfach einen Menschen anspringt bis er endlich davor stehenbleibt…

Wenn ein Hund lernt, dass egal wie er sich aufführt oder er etwas nicht einhalten muss, es ihm somit beigebracht wurde und er konsequent daran bleiben konnte, dafür auch noch ein Leckerli bekommt, wozu sollte er sich anstrengen?

 

+ Ein Verhalten lohnt sich, wenn man dafür eine Belohnung bekommt. Dies wird gespeichert, verstärkt sich und wird sich häufen.

Eine Beziehung und jedes Training hat mit Kommunikation zu tun, weil man sich miteinander beschäftigt. Man kann nicht nicht kommunizieren! So trifft Mensch mit Hund in Kontakt, Mensch möchte etwas vom Hund, Hund führt dies aus und erst im Anschluss wird belohnt.

 

+ Leckerligabe ist persönlicher und sozialer, als nur den Napf hinzustellen (Wobei ich eine ausschließliche Handfütterung ablehne) und somit unter Sozialpartnern natürlich. Durch den richtigen Futtereinsatz kann sich die Mensch-Hund-Beziehung Vorteile verschaffen und nicht darunter leiden.

 

 

Nicht von der Futterbelohnung wegzukommen

- Es kann passieren, dass mancher Hundehalter nicht von seiner Futterbelohnung herauskommt oder der Hund nur dann bereit ist etwas zu tun oder zu lassen, weil er auf eine Belohnung wartet.

 

+ Wichtig ist das Wissen, wie ein Hund lernt und dadurch das Verständnis kommt wie Lernen und Belohnung sich auswirken. Außerdem muss man eine Futter-Belohnungs-Hierarchie etablieren und die nötigen Schritte kennen, um diese anzuwenden.

 

 

 

Meinungen

 

"Mein Hund tut dies für mich und nicht für´s Futter"

Wir wollen meist etwas vom Hund, was aus seiner Sicht nicht logisch und gegen seine Natur ist. Das sind Sachen wie: Abrufen von Wild – Gehen an lockerer Leine - Fußlaufen – in einer Position wie Sitz, Platz, Steh so lange zu verharren bis aufgelöst wird…

Unsere Ansprüche sind oft hoch und dies soll ein Hund sinnlos und umsonst leisten, nur wegen der Persönlichkeit eines Menschen? Gehen Sie arbeiten, weil Sie Ihren Chef nett finden oder weil Ihnen die Arbeit gefällt und verlangen deswegen keinen Lohn oder kein Geld? Oder weil Sie Angst vor Ihrem Chef haben, Sie deswegen nur auf Arbeit gehen und sich keinen Lohn auszahlen lassen, weil Sie es tun müssen, sonst… ??? In der Arbeitswelt ist es genauso wie im Hundetraining. Ich selber mag auch belohnt werden. Wenn ich etwas mache, möchte ich es honoriert bekommen, darüber freue ich mich und es macht mir mehr Spaß. Leiste ich etwas ganz Besonderes oder Außergewöhnliches springt mein Honorar entsprechend hoch aus oder ich bekomme einen Extrabonus.

Welche Persönlichkeit ist notwendig um ohne Strafreize mit einem Hund zu trainieren?
Die Hundehalter, deren Meinung ist, dass ihr Hund nur für sie dies tut und gehorsam ist, arbeiten mit Strafreizen. Doch der Hund umgeht nur die Strafe. Hunde sind denkende und fühlende Wesen, mit hohem Sozialempfinden und sind allzeit bereit kooperativ zu sein, bei angemessener Behandlung.

 

 

"Mein Hund mag keine Leckerlis"

Das wäre ein Argument, doch wenn, ist es so, dass der Hundehalter sagt „Ich möchte keine Leckerlis geben.“ Die betroffenen Hunde mögen allerdings Leckerlis. Und wenn man bedenkt, dass der Hund ein Beutegreifer ist und auch mal gerne Aas oder andere Hinterlassenschaften vertilgt, dann machen wir Menschen wahrscheinlich was falsch?!

Es gibt Hunde, die schwer bis gar nicht mit Leckerlis motivierbar sind. Das können gesundheitliche Gründe sein oder Stress, zu große Ablenkungen, Ängste, hohe Erwartungen, falsche Leckerligabe, nicht das richtige Leckerli…

 

 

"Mein Hund wird zu dick"

Man kann die Leckerlimenge von der Tagesration abziehen oder man nutzt das normale Hundefutter oder man gibt kalorienarme Leckerlis oder man backt oder dörrt selber…

Auf was man bei einem übergewichtigen Hund achten soll oder was man bei einem Hund machen kann, der schneller zunimmt als andere, erkläre ich Ihnen gerne in einem persönlichen Gespräch.

 

 

"Wir benötigen keine Leckerlis, streicheln und loben genügt meinem Hund"

Herzlichen Glückwunsch, dann haben Sie einen Ausnahmehund! Die meisten Hunde finden genau dies als unpassend, reagieren genervt oder wenden sich ab. Dies kann man regelmäßig im Umgang bei solchen Hund-Mensch-Teams beobachten.

Auch hohe Quietschtöne oder eine überaus nette Stimme sagen dem Hund des Menschen Emotionen an, die gleich sein müssen mit deren Körpersprache, sonst gibt es Missverständnisse. Man kann die Stimme auch als Motivation einsetzen, doch reicht diese alleine nicht gegen eine handfeste Belohnung, wie Leckerlis, Spiel oder etwas was dem Hund Spaß bereitet, aus.

 

 

 

Positive Bestärkung ist viel mehr als Training mit Leckerli und ist tierschutzkonform!

 

Was belohnend wirkt entscheidet der Hund, nicht der Mensch. Und das kann situationsbedingt unterschiedlich sein. Nicht jeder Hund empfindet streicheln als belohnend, meist sogar als unangenehm, gerade wenn er konzentriert ist.

 

Eine Belohnung ist ein Motivator, also ein Verstärker für erwünschtes Verhalten. Richtig eingesetzt gibt es viele bedürfnisorientierten Bestärkungen um den Hund zu belohnen, damit das richtige Verhalten öfters auftritt.

 

Das Training über positive Bestärkung zeigt glückliche, kooperative, lösungsorientierte und selbstbewusste Hunde. Die Bindung und Beziehung verstärkt sich, das Vertrauen wächst und selbst der Perspektivenwechsel wirkt sich um einen selber positiv aus.

 

Natürlich schaffen wir Grenzen und stellen Regeln auf. Es wird auch ein Verhalten abgebrochen und Missverständnisse aufgehoben. Das gehört zum alltäglichen Umgang mit dazu, damit der Hund sich vertrauensvoll an uns wendet, wir ihm Sicherheit geben und wir respektvoll miteinander umgehen.

 

 

 

 

Ich bin für eine Leckerligabe weil,

  • Futter überlebenswichtig für den Hund ist.
  • die meisten Hunde gerne unterschiedliche Futterbelohnungen nehmen.
  • es sicher stellt, dass der Hund auch wirklich belohnt wurde.
  • Futter als Stressindikator dient, welcher mir sagt ob der Hund Futter aufnehmen kann oder nicht und wie er dieses aufnimmt.
  • das Training auf die Erregbarkeit abgestimmt werden und Lernen (wieder) stattfinden kann.
  • ich besondere Leistungen meines Hundes damit hervorheben kann.
  • ich lustige Schnüffelspiele damit mache.
  • es möglich ist, in uneinschätzbare Situationen hineinzutrainieren.
  • ich dadurch Pausen herstelle, indem der Hund ruhig auf begrenzte und von mir inszenierter Leckerlisuche gehen kann und ich somit auch seine möglichen Erkundungen auflöse, um entspannt nach einiger Zeit wieder weitergehen zu können.

 

 

Belohnung sollte abwechslungsreich und bedürfnisorientiert erfolgen!